In der Forschung wurde man auf das Thema Asexualität 2004 aufmerksam, als Bogaert eine alte Studie aus dem Jahr 1994 neu auswertete, in der unter anderem nach der jeweiligen sexuellen Orientierung nachgefragt wurde und eine Antwort "I have never felt sexually attracted to anyone at all" war. Zu Deutsch: Ich habe mich in meinem Leben noch nie zu jemandem sexuell hingezogen gefühlt.

Beim Auswerten der Studie mit 18‘621 Teilnehmer_innen kamen ca. 1% als asexuell raus. Das Verhältnis von Frau zu Mann war 2:1.

Eine spätere Studie von Prause & Graham aus dem Jahr 2007 untersuchte wiederum die Häufigkeit. Diesmal kamen etwas andere Zahlen heraus – 3.5% der Studienteilnehmer_innen bezeichneten sich als asexuell ohne signifikanten Unterschied zwischen den binären Geschlechtern.

Allerdings ist uns aufgefallen, dass wir im deutschsprachigen Europa in jedem Land mehr asexuelle Frauen als Männer kennen. Es wurde die Vermutung geäussert, dass es Männern durch das gängige Rollenbild schwerer fällt, sich als asexuell zu outen. Einige von uns sind auch nicht binär, also weder Männer noch Frauen.

Im Jahr 2008 wurde von von Brotto et al untersucht, ob Asexualität eine psychische Störung sein könnte. Dabei kam er aber zum Schluss, dass es keine sei. Auch in den wichtigsten Krankheitsklassifikationen (DSM V, Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders und ICD 10, internationale statistische Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme ), ist Asexualität nicht als Krankheit bzw. psychische Störung definiert. Es gibt zwar eine sexuelle Hypoaktivität, diese beinhaltet aber einen Leidensdruck – was bei asexuellen Menschen nicht der Fall ist.

Der Aspekt der Beziehung beleuchtete Scherrer im Jahr 2008. Dabei wurde festgestellt, dass Asexualität nicht gleichbedeutend mit Aromantik (= kein Bedürfnis nach Beziehung) ist. Es wurde eindeutig festgehalten, dass es Romantiker_innen und Aromantiker_innen unter Asexuellen gibt.

Bis heute gibt es aber keine Studien, die sich mit der Thematik Demi- oder Greysexualität befassen, was nicht weiter verwunderlich ist, da auch die Forschung zur Asexualität sehr frisch ist.

 

Studien

Bogaert, A. F. (2004). Asexuality: Prevalence and associated factors in a national probability

sample. The Journal of Sex Research, 41(3),

 

Brotto, L., Knudson, G., Inskip, J., Rhodes, K., & Erskine, Y. (2008). Asexuality: A mixed methods approach. Archives of Sexual Behavior. Online First. Retrieved January 6, 2009.

 

Prause, N., & Graham, C. A. (2007). Asexuality: Classification and characterization. Archives of

Sexual Behavior, 36(3)

 

 

Scherrer, K. S. (2008). Coming to an asexual identity: Negotiating identity, negotiating desire. Sexualities, 11,